über uns        Textversion - die bebilderte Version finden Sie hier.

Die theatercompagnie Tagträumer gehört zu den freien Theatergruppen der Stadt Frankfurt ohne eigene Spielstätte. In Frankfurt tritt die Gruppe seit Jahren fast ausschließlich im Gallustheater auf.

Das Ensemble besteht aus der Regisseurin Veronika Brendel und einem festen Kreis von Schauspielerinnen und Schauspielern und einem Kreis von freien Mitarbeitern.

Theater im Hier und Jetzt
Im Vordergrund unserer Arbeit steht das Theater der Gegenwart, die kritische Umsetzung gesellschaftlicher Randthemen. Dabei fasziniert uns immer wieder ein Thema: Das Zusammentreffen von Menschen als Kulisse und pulsierender Mechanismus. Trotz vielfältiger Kommunikationsmöglichkeiten und -formen bleiben die Protagonisten auch Grenzgänger, die in ihrer Einsamkeit und Zerrissenheit um das Erleben ihrer Sehnsüchte kämpfen.

Leise Bilder
Die Ästhetik der Gegenwart ist oft oberflächlich, sensationell und aggressiv; sie ist sowohl Ergebnis als auch Motor einer schnelllebigen Zeit. Wir versuchen den Zuschauer mit Einfachheit und Klarheit zu erreichen, zu berühren und zu fesseln. Bei der dramatischen Reduzierung des Stoffes auf das Wesentliche soll das gesprochene Wort aber nicht alleine stehen: Elemente des Films, der darstellenden Kunst, der tänzerischen Bewegung, des Gesangs und des Lichtdesigns schaffen eine ganzheitliche Bildkomposition.
 


Die Zusammenarbeit der Regisseurin Veronika Brendel und des Schauspielers und Bühnenbildners Claus Rüttinger beginnt 1984. Sie drehen gemeinsam den Film Ich will, die Geschichte eines homosexuellen Jungen, der seine Mutter ermordet, und betreten damit in Deutschland thematisches Neuland. Zahlreiche Programmkinos zeigen den Film, oft mit anschließenden Diskussionen.
Die beiden gründen das Frankfurter Jungfilmerfestival, wenden sich fortan aber der Theaterarbeit zu, 1986 mit Kinderspiel von Martin Walser über einen jungen Punker, der sich mit seiner Schwester gegen die Eltern auflehnt.
1987 folgt Schrei, eine Eigenproduktion zur Entdeckung des AIDS-Virus. Der Erfolg ist groß, denn das Thema ist brandaktuell und die deutsche Bühnenliteratur hat dazu noch nichts zu bieten.
1988 spielt man zum ersten Mal William Mastrosimone: Tagträumer, das der freien Gruppe einen Namen gibt. Es handelt von der kurzen Liebesgeschichte zwischen einer Verkäuferin und einem Trucker.
1989 setzt man die AIDS-Reihe fort: Beirut von Alan Bowne. Die fiktive Geschichte ­ New York ghettoisiert seine Infizierten ­ zeigt den Umgang der Gesellschaft mit der Krankheit. 1990 wird gemeinsam mit dem Theaterhaus Ffm das Projekt "Probebühne Borsigallee" ins Leben gerufen, ein altes Fabrikgebäude das auf Jahre vielen freien Kulturgruppen Raum anbietet.
1991 folgt die deutsche Erstaufführung von William Mastrosimones Die Verständigung, ein Stück über einen alten Mann, der sich gegen die Hochhauspolitik seiner Stadt wehrt.
Die da, frei nach Christiane Reiff, beschreibt das Leben und die Träume einer Pennerin.
Ab 1992 werden die Tagträumer von der Stadt Frankfurt fest gefördert. Das Tagebuch eines AIDS-Kranken ist Grundlage für die Eigenproduktion Halt mich, pack mich, küss mich.

1993 verläßt Claus Rüttinger die theatercompagnie, um sich in Berlin dem Film zuzuwenden.

Die Tagträumer spielen Romulus der Große, eine ungeschichtliche historische Komödie von Friedrich Dürrenmatt über die Ohnmacht der Mächtigen.

1994 widmet man sich dem Thema Tod, es entsteht Antigone wohin?, frei nach Anouilh und Sophokles. Die Probebühne Borsigallee wird abgerissen.
Die Tagträumer reisen nach Kairo und nehmen am internationalen Festival für experimentelles Theater teil. Sie drehen einen Film über die Stadt und treffen den Literaturnobelpreisträger Naguib Mahfouz.
1995 entsteht Zwiegespräch, ein Experiment, das Wort (Gedichte von Erich Fried), Malerei und Musik vereint. Die Stadt Frankfurt stellt eine Probebühne am Tiergarten zur Verfügung.
In den stillgelegten Adlerwerken zeigt man Durchgeknallt, frei nach "Die Suche nach Zeichen von intelligentem Leben im Universum" von Jane Wagner ­ eine Abrechnung mit den 70ern.
Erneut spielen die Tagträumer auf dem Theaterfestival in Kairo, es folgt die Dramatisierung des Romans Die Midaqgasse von Naguib Mahfouz.
1996 zeigt man zum dritten Mal William Mastrosimone: Sunshine über ein Peepshow-Girl, einen Rettungssanitäter und über die Liebe in einer entfremdeten Gesellschaft.
1997 entsteht eine Bühnenfassung von Durchgeknallt ­ eine soap-opera zum Thema Werbung.
Die ursprünglich szenische Lesung Die Midaqgasse wird im Museum Judengasse zu einer multimedialen Aufführung, in der der Spielort ebenso eingeht wie Film- und Tonmaterial, das die Gruppe in Kairo gesammelt hatte.
Am 7. April stirbt Claus Rüttinger. Die Tagträumer verabschieden sich von ihm im Kreise seiner Familie, Freunde und Kollegen im Gallustheater.
Begegnungen mit dem Jenseits:1998 dreht das Ensemble einen Film, der im double-feature gezeigt wird, das den Einakter Der Tod klopft von Woody Allen und die skurrile Geschichte Die alte Frau von Daniil Charms vereint.
Das Jahr 1999 beginnt mit einem workshop-Projekt: Die Theaterrevue I´m a stranger here myself über Leben und Werk eines außergewöhnlichen Emigranten: Kurt Weill. Aus dem workshop entsteht ein musikalisch-literarischer Briefwechsel, der die Beziehung zwischen Kurt Weill und Lotte Lenya dokumentiert.
2000 spielen die Tagträumer Portia Coughlan, das Erfolgsstück der irischen Autorin Marina Carr.
2001 beginnt die Arbeit an der Produktion I don't believe in, eine fiktive Begegnung zwischen John Lennon und seinem Mörder Marc Chapman.
Im Sommer 2002 starten die Tagträumer in Kooperation mit der Galerie Jessen das Kunst- und Theaterprogramm art&act. Man liest Dylan Thomas' Unter dem Milchwald. Gudrun Schnitzer und Rolf Birkholz präsentieren Beziehungsweise, eine szenische Theaterrevue über Sex, Liebe und Tod.
Im Januar 2003 findet die Premiere von Eve Enslers Vagina-Monologen im Gallustheater statt – ein Kaleidoskop weiblicher Erfahrungen und erotischer Fantasien, aber auch Enttäuschungen, Unterdrückung und Missbrauch.
Im Mai wird das Stück beziehungsweise – sex.liebe.tod. mit Texten und Liedern über das Lieben in Frankfurt uraufgeführt.
Unter dem Milchwald nach Dylan Thomas, die theatralische Umsetzung des vielleicht berühmtesten Hörspiels des 20. Jahrhunderts, hat im Oktober 2004 Premiere im Frankfurter Gallustheater. Dem Autor gelang eine poetische Stimmenfuge, die Alltag und Träume der Bewohner einer walisischen Kleinstadt voll Ironie und Anteilnahme in einem Tagesablauf bündelt.
Höchste Eisenbahn, eine Komödie von Fitzgerald Kusz, hat im Januar 2006 in Frankfurt Premiere. In einer Zugfahrt spitzt sich die Auseinandersetzung der beiden Schwestern Sophie und Marie so zu, dass sie zwangsläufig ihr bisheriges Leben ändern müssen.
Mit der Inszenierung von Ingvar Armbjörsens Roman Ausblick auf das Paradies wird ein Einlick in das Innenleben des verklemmten Eigenbrötlers und Sonderlings Elling ermöglicht. Die Premiere findet im Oktober im Frankfurter Gallustheater statt.
Hilde Domin, ihr Leben und ihre Lyrik stehen im Mittelpunkt des Theaterstückes Unter Akrobaten und Vögeln. In Frankfurt (Gallustheater) ist die Premiere am 13. September 2007.
Über die Inszenierung von Yasmina Rezas Erfolgsstück Der Gott des Gemetzels im Oktober 2009 schreibt das Magazin Fritz: „Mit viel Gespür für Zwischentöne bringt die theatercompagnie Tagträumer eine temporeiche Inszenierung auf die Bühne, die für beste Unterhaltung mit Tiefgang sorgt.“
Im Dezember 2011 findet im Frankfurter Gallustheater die Premiere von Die Stumme statt.
Februar 2014 hat die Inszenierung Marleni nach dem Theaterstück von Thea Dorn Premiere. Im Mittelpunkt steht die Begegnung zweier Ikonen des 20.Jahrhunderts: Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl. Sie mündet in einen schonungslosen Schlagabtausch. Wer war die ideale Künstlerin? Die Faschistin oder die Vaterlandsverräterin?
Im Herbst 2015 steht Grüße und Küsse an alle – die Geschichte der Familie Anne Franks – im Mittelpunkt. Die szenische Lesung erzählt die einzigartige Geschichte vom Aufstieg und Schicksal der deutsch-jüdischen Familie Frank.
Die Oper Fidelio von Ludwig van Beethoven hat 2016 Premiere im Theater Altes Hallenbad in Friedberg.
Im Herbst findet die szenische Lesung Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer statt.
Die unbezähmbare Muse – Premiere April 2018 – erzählt mit Liedern, Texten und Briefen von Alma Mahler-Werfel.

  Nach oben